Geldverschwendung bei der Qualifizierung von Arbeitslosen

Ausgaben Weiterbildungskurse Der Bundesrechnungshof für Arbeit und Soziales – als externe Finanzkontrolle des Bundes – hat untersucht, zu welchen Kursen Arbeitsagenturen ihre Kunden schicken. In mehr als 600 Stichproben stellte sich heraus, dass der Besuch der Kurse nicht sinnvoll eingesetzt wurde. Mit Maßnahmen, die ihre Wirkung auf diese Weise verfehlen, werden ca. 190 Millionen Euro pro Jahr verschwendet.

Die Qualifizierung von Arbeitslosen ist grundsätzlich sinnvoll. Zum einen erwerben die Arbeitslosen fachliches Wissen, zum anderen fördert es die Eingliederung in geregelte Abläufe, wenn die Arbeitslosigkeit bereits längere Zeit anhält.

In der Untersuchung des Bundesrechnungshofes stellten sich bei der konkreten Kurseinteilung vor allem folgende Mängel heraus:

  • Der Kurs entsprach keiner Strategie, die zum Einzelfall passte
  • Die Kursbesucher wurden nicht über den Zweck des Kurses aufgeklärt
  • Vergleichbare Maßnahmen wurden bereits durchgeführt

Dies führt unter Umständen nicht nur dazu, dass die Maßnahme nicht zielführend ist  – im schlimmsten Fall hindert sie den Betroffenen an einer erfolgreichen Eingliederung.

Gleichwohl gilt: Je besser Arbeitslose qualifiziert sind, umso leichter finden sie wieder eine Stelle. Aus- und Weiterbildungen erhöhen die Chancen, sich wieder auf dem Arbeitsmarkt einzugliedern. Dabei ist es allerdings besonders wichtig, die Maßnahmen auf den Einzelfall abzustimmen. Liegt bereits eine Ausbildung vor? Wo liegen die Stärken, die gefördert werden sollten? Wie sind die Sprachkenntnisse?

Die Kritik richtet sich nicht an die Höhe der Ausgaben, sondern an den nicht zielgerichteten Einsatz. Ob Ausbildung in Voll- oder Teilzeit, Umschulungen oder Zusatzqualifikationen – nur die richtige Auswahl an Maßnahmen kann zum Ziel führen.

Zahlen der Arbeitslosigkeit

Arbeitslose in einer Maßnahme zählen nicht zu den Arbeitslosen. Zudem gelten Teilnehmer nach Kursende nicht mehr als Langzeitarbeitslose. Beides könnte Mitarbeiter der Jobcenter verleiten, durch die Unterbringung in Maßnahmen ihre Zahlen zu beschönigen. Denn sie profitieren davon direkt: Die Chancen einer Beförderung steigen und Vorgesetzte erhalten sogar Geldprämien.

Weitere Hintergründe zu Abläufen der Arbeitsagenturen erhalten Sie in diesem Artikel des Tagesspiegels vom 26.03.2018.

Insgesamt betrugen in 2016 die Ausgaben für Arbeitsmarktpolitik 11 Milliarden Euro. Weitere Zahlen zu den Kosten der Arbeitslosigkeit liefert das Fachmagazin für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB.

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