Angstfach Mathe? Im Gespräch mit einem Nachhilfelehrer

Interview mit einem Mathe-Nachhilfe Lehrer aus Bochum Mathematik ist für viele Schüler ein Angstfach. Wo liegen die Ursachen und welche Lösungen gibt es, diese Angst zu nehmen? Ein Mathe-Nachhilfelehrer teilt uns seine Erfahrungen mit.

Herr Kellermann studiert Mathe auf Lehramt und ist seit fünf Jahren Nachhilfelehrer des Lernstudios in Bochum Wattenscheid. Er begleitet Schüler jeden Alters von der Grundschule über die Mittel- bis zur Oberstufe im Fach Mathematik.

Was sind die Besonderheiten am Fach Mathematik, dass es so verbreitet als Problemfach gilt?

Das liegt zum einen daran, wie es unterrichtet wird: In der Grundschule wird Mathe teilweise fachfremd gelehrt. Auch wenn der Inhalt in der Grundschule nicht schwierig erscheint, benötigt es vertieftes fachdidaktisches und fachliches Wissen, um ihn verständnisorientiert zu behandeln. Denn in der Grundschule wird der Grundstein für das Lernen gelegt.

Zum anderen, wie mit dem Fach umgegangen wird: In der Nachhilfe merke ich, dass die Schüler darauf aus sind, einen Lösungsweg zu haben und fragen schnell nach der Formel. Das Ergebnis einer Aufgabe steht im Vordergrund. Dabei geht es nicht nur um das Ergebnis, sondern um den Lösungsweg. Die Schüler - besonders in höheren Stufen - sollen selbst lernen, eine Lösungsmöglichkeit zu erarbeiten. Durch das Fixieren auf Formeln fehlt das grundsätzliche Verständnis. Die Schüler haben inhaltlich keine Vorstellung, was sie überhaupt ausrechnen, sondern befüllen nur die Formel.

Dazu kommt leider oft die Einstellung "Ich kann eh kein Mathematik". Die Motivation ist auf einem Tiefpunkt. Den Schülern fehlt das Selbstvertrauen, etwas alleine lösen zu können.

Gerade in höheren Stufen ist Mathe oft sehr abstrakt - es fehlt der Praxisbezug. Hat sich am Unterricht oder am Unterrichtsmaterial in den letzten Jahren etwas geändert?

Es sind bereits Ansätze da, aber es dauert einfach, sie umzusetzen. Auch die Lehrer müssen dies ja neu lernen und Ihr Vorgehen ändern.

Das reizvolle an Mathematik ist aber genau das Wechselspiel: man kann damit sehr theoretische und abstrakte Dinge machen - aber genauso auch für die Lösung von Alltagsproblemen verwenden. Es würde Schülern aber sicherlich helfen, praktischen Anwendungsgebiete öfters auch zu sehen.

Wie lösen Sie die Probleme - was sind Ihre Ansätze im Nachhilfeunterricht?

Mir geht es vor allem darum, das Selbstvertrauen der Schüler aufzubauen selbständig Lösungswege zu finden. Ich versuche, die Schüler in der Nachhilfe erst einmal alleine auf eine Lösung kommen zu lassen, auch wenn der Leher in der Schule ihnen einen bestimmten Weg vorgibt. Natürlich muss ich mich bei der Nachhilfe an dem Schulunterricht orientieren, aber nichtsdestotrotz versuche ich den Schülern auch Dinge darüber hinaus zu vermitteln. Ein zentrales Ziel von mir ist, dass die Schüler lernen, dass es nicht immer nur die eine Lösung bzw. Lösungsweg gibt.

Die Schuld wird schnell beim Lehrer gesucht - was könnten Lehrer aus Ihrer Sicht besser machen?

Der Lehrer spielt natürlich eine wichtige Rolle für den Lernprozess des Schülers, indem er passende Rahmenbedingungen und Anregungen schaffen sollte, aber dennoch hängt der Lernerfolg auch stark vom Kind ab. Ist das Kind bereit zu lernen? Ein Tipp wäre, dass die Lehrer das eigenständige Lösen der Schüler stärker fördern und vor allem auch honorieren: Die Lösungsideen besprechen und darauf aufbauen, statt zu schnell den Lösungsweg vorzugeben.

Die Rolle des Lehrers hat sich verändert, vom reinen Wissensvermittler, der von vorne alles vorgibt zum Lehrbegleiter. Er sollte seine Schüler motivieren, selbstständig zu lernen.

Wie können Eltern Ihre Kinder unterstützen?

Das wichtigste ist es, Interesse zu zeigen. Eltern sollten fragen, was die Kinder in der Schule oder bei der Nachhilfe gemacht haben. Wenn das Kind dann erzählen kann, was es gelernt oder verstanden hat, hilft dies auch wieder, das Selbstvertrauen aufzubauen.

Falls Nachhilfe erforderlich ist, sollten Eltern dies nicht einfach vorgeben, sondern das Gespräch mit dem Kind suchen. So kann das Kind zu Wort kommen, verstehen und einsehen, dass Nachhilfe eine Unterstützung und nicht eine Strafe ist.

Welchen Rat möchten Sie Schülern mit auf den Weg geben, die Angst vor Mathe zu verlieren?

Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen - man muss sich nicht schämen, wenn man in einem Fach nicht gut ist und Nachhilfe benötigt. Mit jedem Wissenstand kann man versuchen, eine Aufgabe zu lösen.
Traut euch, einen Lösungsweg zu suchen ohne direkt an das Rechenschema und die Formel zu denken.

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